Brandenburgisches Literaturbüro 2018Land Brandenburg

Programm

Hans-Joachim Maaz: «Das falsche Leben. Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft»

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Hans-Joachim Maaz

Moderation: Hendrik Röder
Der Hallenser Psychoanalytiker und Psychiater Hans-Joachim Maaz ist bekannt für seine brillanten Analysen kollektiver Befindlichkeiten – vom Gefühlsstau, einem Psychogramm der DDR, bis zur narzisstischen Gesellschaft, einer Psycho-Analyse unserer Promi- und Leistungsgesellschaft.
In seinem neuen Buch nimmt er Phänomene wie Pegida und AfD, den zunehmenden Hass auf Ausländer, aber auch die Selbstgerechtigkeit der politischen Elite zum Anlass, ein konturenscharfes Bild unseres falschen Lebens zu zeichnen.

Buchpremiere, Peter Walther: «Hans Fallada. Junge Liebe zwischen Trümmern»

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Peter Walther

Lesung: Christian Brückner
Moderation: Hendrik Röder
Anschließend Empfang
Zahlreiche Erzählungen Hans Falladas wurden nie veröffentlicht oder sind nur in Zeitschriften erschienen. Andere Texte aus dem Nachlass sind in Vergessenheit geraten. Die besten davon hat Peter Walther zu einem spannenden Lesebuch zusammengestellt.
Das Buch enthält Erzählungen, die sich typischen Fallada-Sujets widmen, so etwa die Geschichten «Ich, der verlorene Findling», «Die Bucklige» und «Junge Liebe zwischen Trümmern», aber auch die Detektivgeschichte «Der blutende Biber» sowie autobiographische Texte, seine «Warnung vor Büchern» und ein Zwiegespräch zwischen Fallada und seiner Frau.

So, 4. März 11 Uhr Potsdam, Villa Quandt

Wieland Förster: «Tamaschito»

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Wieland Förster

Lesung: Frank Arnold
Moderation: Hendrik Röder
An einem milden Septembertag 1946 geht der 16-jährige Thom durch das zertrümmerte Dresden. Die Stadt beginnt zaghaft aufzuatmen, Menschen streben ins Freie, Elbfähren fliegen über den Fluss, Familienbesuch ist gekommen. Zwischen Thom und seiner Cousine Margot entflammt jugendliche Leidenschaft. Doch dann wird Thom verhaftet und unschuldig im «Grauen Bau» eingekerkert.
Einer Intrige wegen muss der Junge durch die Hölle des Hungers und Durstes, durch Auszehrung und endlose Verhöre gehen. Er gerät in das Mahlwerk der gewaltigen Kräfteverschiebungen jener Zeit. Deutsche, Polen, Russen, Nazis und Widerstandskämpfer sind seine Mitgefangenen.
An diesem apokalyptischen Ort, wo der Tod Platz genommen hat zwischen den Häftlingen, wird ein verschlissener Stofffetzen zum Schachbrett, eine erzählte Geschichte zum Überlebenselixier, und der Name eines Kuchens zur Zauberformel.

So, 18. März 11 Uhr Potsdam, Villa Quandt

Lutz Seiler liest die Erzählung «Meine Wohnung»

Moderation: Hendrik Röder
In der neuen Erzählung «Meine Wohnung» schildert Seiler den inneren und äußeren Aufbruch eines angehenden Schriftstellers in den Umbruchzeiten des Wendejahrs 1989 und von den handfesten Versuchen, sich in Berlin eine bereits verlassene Wohnung zu erobern.

Di, 27. März 19:30 Uhr Cottbus, Stadt- und Regionalbibliothek

Juli Zeh liest «Leere Herzen»

Moderation: Knut Elstermann

Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma gegründet, die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der Firma steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.

«Leere Herzen» ist ein provokanter und packender Politthriller aus einem Deutschland der nahen Zukunft. Es ist ein Lehrstück über Grundlagen und Gefährdungen der Demokratie und zugleich ein Psychothriller über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.

Do, 24. Mai 20 Uhr Potsdam, Waschhaus

Brandenburg liest

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Rainald Grebe

Das Brandenburgische Literaturbüro präsentiert
Neuerscheinungen von Autoren und Autorinnen, die ihren Lebensmittelpunkt in Brandenburg gefunden haben.
Paula Amelie Carstensen: «Zwillinge»
Julia Schoch: «Schöne Seelen und Komplizen»
John von Düffel: «Klassenbuch»
Reinald Grebe & Tilla Kratochwil: «Theodor und Emilie Fontane: «Ehebriefe»
Steffen Schroeder: «Was alles in einem Menschen sein kann» Begegnung mit einem Mörder»
Antje Ravic Strubel: «Blaue Frau» – aus einem in Arbeit befindlichen Roman Sven Stricker: «Mensch, Rüdiger» Kooperation mit der Lausitzer Rundschau.

Karten unter: www.eventim.de
Info: 0331-2804103

Fr, 29. Juni 18 Uhr Kongresssaal Branitz

Jürgen Israel „Der junge Herr Godeau am Karfreitag“

ürgen Israel (c) Peter Walthervergrößern
Jürgen Israel (c) Peter Walther

Liebe und Tod, das Vergehen der Zeit, der Verlust von Heimat sind die Themen des neuen Erzählbandes von Jürgen Israel. Das Besondere der Texte ist ihre formale Vielfalt. Sie reicht von der herkömmlichen Erzählung, über die Darstellung anekdotischer Ereignisse bis zu kürzesten Momentaufnahmen innerer Befindlichkeiten. So kommt eine Liebesgeschichte als Eröffnungsrede zu einer kulturgeschichtlichen Ausstellung daher, eine andere als Telefongespräch zweier Freundinnen. Telefongespräche spielen überhaupt eine große Rolle bei den Gesprächen unter vertrauten Personen. Angesiedelt sind die Texte im biblischen Israel, in einem Alpendorf gegen Ende des 20. Jahrhunderts, in einer nordafrikanischen Kleinstadt und einem siebenbürgischen Dorf der unmittelbaren Gegenwart sowie einer nicht näher lokalisierten Gegenwart. In allen Texten spricht sich die tiefe Achtung des Autors vor der menschlichen Existenz mit ihren Abgründen und Bedingungen aus. Jürgen Israel, geboren 1944 in Hörnitz / Oberlausitz, ist Lektor, Publizist und Autor. Seine Veröffentlichungen umfassen Prosa, Gedichte, Essays und Arbeiten unter anderem zu Anna Seghers, Marie Luise Kaschnitz, Ilse Langner, Heinrich Alexander Stoll und Albrecht Goes. Zuletzt veröffentlichte er „Katzendorfer Tagebuch“ (2016).

Di, 21. August 20 Uhr Villa Quandt

Der flämische Autor Kris Van Steenberge präsentiert sein Buch „Verlangen“

Kris van Steenberge (c) Johan Jacobsvergrößern
Kris van Steenberge (c) Johan Jacobs

Das 19. Jahrhundert neigt sich dem Ende zu. In dem kleinen belgischen Dorf Woesten, unweit von Ypern, erwartet das junge Ehepaar Duponselles Zwillinge. Doch die Ehe steht unter keinem guten Stern. Beim erstgeborenen Valentijn geht alles gut, aber das zweite Kind kommt mit einem deformierten Gesicht zur Welt und geht fortan als Namenlos durchs Leben. Als die Brüder heranwachsen, ist Valentijn bei allen beliebt, während die Dorfbewohner und sogar sein eigener Vater nichts mit Namenlos zu schaffen haben wollen. Dann bricht der Erste Weltkrieg aus, und das kleine Woes-ten liegt mitten im großen Weltgeschehen. Als auch noch Elisabeth ermordet aufgefunden wird, ist für niemanden mehr das Leben wie zuvor. Vor der his-torischen Kulisse des ländlichen Flanderns entfaltet Kris Van Steenberge mit zeitloser Aktualität das psychologisch eindringliche Porträt einer Familie, eines Ortes und einer vergangenen Epoche. Kris Van Steenberge, geboren 1963 in Lier / Belgien, arbeitet als Dramatiker, Regisseur und Lehrer. Die Geschichten seines Großvaters über den „Großen Krieg“ waren der Ausgangspunkt für seinen ersten Roman. 2014 wurde „Verlangen“ mehrfach als das beste flämische Debüt ausgezeichnet und wird derzeit verfilmt. Jan Konst ist Literaturwissenschaftler und Niederlandist. Seit 1994 arbeitet er als Hochschullehrer an der Freien Universität Berlin. Seit 2000 ist er Inhaber des Lehrstuhls „Niederländische Philologie: Literaturwissenschaft“. Seine Publikationen widmen sich vor allem den niederländisch-deutschen Literaturbeziehungen und der Gegenwartsliteratur in den Niederlanden und Flandern.

Mi, 29. August 19:30 Uhr Do, 30. August 20 Uhr Fr, 31. August 20 Uhr Villa Quandt

Matinee in der Villa Quandt Prix Goncourt 2017 Éric Vuillard „Die Tagesordnung“

Éric Vuillard (c) Melania Avanzatovergrößern
Éric Vuillard (c) Melania Avanzato
  1. Februar 1933: Auf Einladung des Reichstagspräsidenten Hermann Göring finden sich 24 hochrangige Vertreter der Industrie zu einem Treffen mit Adolf Hitler ein, um über mögliche Unterstützungen für die nationalsozialistische Politik zu beraten: Krupp, Opel, BASF, Bayer, Siemens, Allianz – kaum ein Name von Rang und Würden fehlt an den glamourösen runden Tischen der Vermählung von Geld und Politik. So beginnt der Lauf einer Geschichte, die Vuillard fünf Jahre später in die Annexion Österreichs münden lässt. Bild- und wortgewaltig führt er den Leser in die Hinterzimmer der Macht, wo in erschreckender Beiläufigkeit Geschichte geschrieben wird. Dabei erzählt er eine andere Geschichte als die uns bekannte, er zeigt den Panzerstau an der deutschen Grenze zu Österreich, er entlarvt Schuschniggs kleinliches Festhalten an der Macht, Hitlers abgründige Unberechenbarkeit und Chamberlains gleichgültige Schwäche. Mit der ihm eigenen virtuosen Eindringlichkeit und satirischem Biss seziert Vuillard die Mechanismen des Aufstiegs der Nationalsozialisten und macht deutlich: Die Deals, die an den runden Tischen der Welt geschlossen werden, sind faul, unser Verständnis von Geschichte beruht auf Propagandabildern. In »Die Tagesordnung« zerlegt Éric Vuillard diese Bilder und fügt sie virtuos neu zusammen. Éric Vuillard, 1968 in Lyon geboren, ist Schriftsteller und Regisseur. Für seine Bücher, in denen er große Momente der Geschichte neu erzählt und damit ein eigenes Genre begründet, wurde er u. a. mit dem Prix de l’Inaperçu und dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2017 bekam er für Die Tagesordnung den renommierten Prix Goncourt. Bei Matthes & Seitz Berlin erschienen bisher Ballade vom Abendland (2014), Kongo (2015) und Traurigkeit der Erde (2017) in der Übersetzung von Nicola Denis.
So, 9. September 11 Uhr Villa Quandt

Christine von Brühl „Gerade dadurch sind sie mir lieb. Theodor Fontanes Frauen“

Christine von Brühl (c) Thomas Kierokvergrößern
Christine von Brühl (c) Thomas Kierok

Kaum ein Autor hat derart eindrückliche Frauenporträts geschaffen wie Theodor Fontane: Effi Briest, die Witwe Pittelkow, Grete Minde oder Jenny Treibel, Cécile, die Schwestern Poggenpuhl oder Mathilde Möhring – sie bevölkern die Romane Fontanes und bleiben im Gedächtnis. Oft genug handelte es sich bei Fontanes Frauen, die mit dem bürgerlichen Moralkodex ihre Zeit in Konflikt geraten waren. Dafür wurden sie streng verurteilt. Fontane verarbeitete dabei realen Erfahrungen. Christine von Brühl zeigt in faszinierenden Porträts die Welt der Frauen, die Fontanes Leben und sein Werk bevölkerten. Christine von Brühl, geboren 1962, studierte Slawistik, Geschichte und Philosophie in Lublin, Heidelberg und Wien. Nach Stationen bei der „Zeit“, „Sächsische Zeitung“ und „Das Magazin“ lebt sie heute als freischaffende Autorin in Berlin. Bei Atb lieferbar ist ihre Biographie „Die preußische Madonna. Auf den Spuren der Königin Luise“.

So, 16. September 16 Uhr Schloss Nennhausen

Veranstalter, Informationen und Kartenservice

Veranstalter, Informationen und Kartenservice

Brandenburgisches Literaturbüro
Villa Quandt
Große Weinmeisterstraße 46/47
14469 Potsdam
T: 0331-2804103, F: 0331-240884
www.literaturlandschaft.de

Anreise und Touristinformation

Anfahrt Villa Quandt: Mit Tram 92 oder Tram 96 bis Puschkinallee, von dort 900 m Fußweg

Tourist-Info am Alten Markt,
Luisenplatz 3 und im Hauptbahnhof
T: 0331-27558899
www.potsdamtourismus.de